Facetten der Weiblichkeit: Frauen, Leben und Schönheitsideale in Tansania

Die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu sein, zeigt sich in jeder Kultur auf eine ganz eigene Weise. Als Vorsitzende von Hand in Hand for Tanzania e.V. habe ich das große Glück, Brücken zwischen Kulturen zu bauen und faszinierende Einblicke in das Leben von Frauen in Tansania zu gewinnen. Ihre Geschichten bewegen mich immer wieder.

 

Alltag und Herausforderungen: Frauen in Tansania

Frauen in Tansania sind die Säulen ihrer Familien. Sie kümmern sich um Haushalt und Kinder, pflegen ältere Angehörige und tragen gleichzeitig erheblich zum Familieneinkommen bei. Diese Leistungen vollbringen sie oft unter schwierigen Bedingungen, in einer Gesellschaft, die durch patriarchale Strukturen geprägt ist. Doch was mich immer wieder beeindruckt, ist ihre Stärke, ihr Gemeinschaftssinn und ihre Fröhlichkeit.

Eine Reise in die Welt tansanischer Frauen

Viele von euch wissen bereits, dass Ingrid Blessing, Silke Kilz und ich im vorletzten Jahr gemeinsam nach Tansania gereist sind, um Frauen zu portraitieren. Zu verstehen, wie sie leben, was sie umtreibt und was sie sich für die Zukunft wünschen. Auf unserer Reise sind wir unzähligen herzlichen und aufgeschlossenen Frauen begegnet, die mit Entschlossenheit und Kreativität nicht nur ihre Familien unterstützen, sondern auch ihre Gemeinschaften stärken. Jede Begegnung hat uns inspiriert und beeindruckt. Diese Reise war weit mehr als nur der Einblick in eine fremde Kultur. Sie lud uns dazu ein, unsere Vorurteile zu überdenken und unsere Perspektiven zu erweitern. Auch in Tansania gestalten Frauen aktiv ihr Leben, ergreifen Chancen und wagen Neues. All diese berührenden Geschichten haben wir in unserem Buch “Wanawake - Tansanias starke Frauen” festgehalten.

Schönheitsideale und Selbstbewusstsein

Ein besonders faszinierender Aspekt unserer Reise war die Begegnung mit den unterschiedlichen Schönheitsidealen und der Art und Weise, wie sie in Tansania gelebt und hinterfragt werden. Traditionell gelten dort rundliche Körperformen als Ausdruck von Wohlstand, Gesundheit und sozialem Status. Ein gut genährter Körper wird oft mit einem erfüllten Leben assoziiert – einem Leben, in dem es keine existenziellen Sorgen gibt. Diese Sichtweise ist tief in der tansanischen Kultur verwurzelt und spiegelt den hohen Stellenwert von Gemeinschaft und Fürsorge wider: Wer rundlich ist, gilt als jemand, der sowohl sich selbst als auch andere gut versorgen kann.

Doch diese traditionelle Perspektive wird zunehmend durch den Einfluss globaler Trends und westlicher Schönheitsideale herausgefordert. Soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie transportieren Bilder von schlanken, oft unrealistisch perfekten Körpern, die vor allem in der westlichen Welt als Schönheitsmaßstab gelten. Diese Bilder lösen auch in Tansania Ambivalenzen aus: Einerseits wird das traditionelle Schönheitsideal weiter geschätzt, andererseits wächst bei jungen Frauen das Bewusstsein für die „modernen“ Ideale, die oft mit Glamour und Erfolg verknüpft werden.

Diese Spannungen zwischen Tradition und Moderne werfen Fragen auf: Wie definieren wir Schönheit, und wie können wir unabhängig von äußeren Erwartungen unser Selbstbewusstsein stärken?

Ein Abend voller Farben und Geschichten

Im November bot sich uns eine wundervolle Gelegenheit, die Eindrücke unserer Reise auf eine ganz besondere Weise mit anderen zu teilen: Bei einem Abend im stimmungsvollen Ambiente des SalonKULTUR von Caroline Winand in Bergisch Gladbach präsentierten wir die faszinierenden Geschichten der tansanischen Frauen. Der Raum, geschmückt mit farbenfrohen Bildern und traditionellen Textilien, spiegelte die lebendige Energie wider, die uns auf unserer Reise so sehr berührt hatte.

Während des Abends erzählten wir von den Begegnungen mit den beeindruckenden Frauen in Tansania – von ihrer Lebensfreude, ihren Schönheitsidealen, ihrem Mut und der Kraft, mit der sie den Herausforderungen ihres Alltags begegnen. Diese Geschichten fanden bei Zuhörerinnen und Zuhörern nicht nur großen Anklang, sondern luden auch dazu ein, innezuhalten und die eigenen Lebensrealitäten zu hinterfragen.

Ein Höhepunkt des Abends war der Austausch über die Vielfalt von Weiblichkeit und die Art, wie sie in verschiedenen Kulturen verstanden und gelebt wird. In einer lockeren Gesprächsrunde wurden persönliche Eindrücke geteilt, Fragen gestellt und eigene Rollenbilder reflektiert. Die Gäste waren sichtlich bewegt von den Berichten über die tansanischen Frauen, die inmitten von Widrigkeiten stets Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen.

Ein Plädoyer für kulturellen Austausch

Die Geschichten der tansanischen Frauen, die wir mitgebracht haben, sind mehr als nur Reiseerinnerungen – sie sind ein Appell an uns alle, über den Tellerrand hinauszuschauen und kulturelle Unterschiede nicht als Barrieren, sondern als Bereicherung zu sehen.

Frauen auf der ganzen Welt haben vieles gemeinsam – sie sind stark, hoffnungsvoll und entschlossen, ihr Leben und das ihrer Familien zu verbessern. Lasst uns diese Stärke feiern. Wanawake wanawesa!

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Happy New Year und Dankeschön!

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